Interview
„Spieler müssen langfristig denken“
Nach der Karriere auf dem Fußballfeld beginnt das zweite Berufsleben: Wie Sportmanager Marko Rehmer auch dank seiner eigenen Erfahrung als Nationalspieler heutigen Talenten hilft, für später vorzusorgen.
Bei NEU DENKEN geht es um Transformation, Wettbewerb und Zukunftsfähigkeit. Wenn Sie auf den Profifußball blicken: Warum ist Kicken heute viel mehr als nur Sport?
In erster Linie ist es natürlich wichtig, guten Sport abzuliefern, um auch wirtschaftlich in neue Sphären vorzudringen. Ein gutes Beispiel dafür ist der FC Bayern München. Aber man merkt immer mehr, dass das Wirtschaftliche im Fußball eine sehr große Rolle spielt. Früher waren es vor allem Trikotverkäufe, heute ist das Potenzial natürlich sehr viel größer. Vor allem um international mitzuhalten, muss ein Verein auch wirtschaftlich nachlegen.
Sie haben auf höchstem Niveau Fußball gespielt. Wie geht man als junger Spieler mit dem Druck um?
Das muss man mit der Zeit lernen. Über meine Agentur INTEAMSPORTS kann ich jungen Spielern viel mitgeben.
Viele Talente, auch richtig gute Spieler, die in Nachwuchsnationalmannschaften gespielt haben, schaffen den Sprung in den Profifußball nicht, weil sie mit diesem Druck nicht klarkommen.Was ich meinen Spielern immer sage: Man muss langfristig denken und darf nicht sagen: Jetzt habe ich es geschafft, ich habe meinen Profivertrag. Darauf sollte man sich nicht ausruhen.
Was brauchen Talente heute – außer dem Druck standhalten zu können –, um im Profifußball auch wirklich langfristig mitzuhalten?
Das eine ist natürlich das Talent. Aber es gehören viele andere Dinge dazu, auch Glück. Man kann eine schwere Verletzung bekommen. Manchmal hat man auch Trainer, die auf andere Spielertypen setzen.Man muss jungen Spielern sagen: Bleib dran, arbeite hart an deinen Schwächen, ohne deine Stärken zu vernachlässigen. Es ist ein schmaler Grat, weil Spieler auch ungeduldig werden. Wenn sie nicht aufgestellt sind, wollen sie oft woanders hin. Das ist manchmal der leichte Weg.
Ich sage dann: So einfach ist es nicht. Setz dich hier durch. Der Trainer muss irgendwann auf dich zurückkommen. Wenn ein Spieler das versteht, kommt er ins Spiel und macht nicht nur ein, zwei oder zehn Bundesliga-Begegnungen, sondern vielleicht 100 oder 150.
Wie wichtig ist es, sich für die Zeit danach abzusichern? Und wie war das bei Ihnen selbst?
Ich habe da ein bisschen weitergeschaut. Das fing schon bei der Krankenversicherung an. Man hat einen gut dotierten Vertrag – aber was passiert im Fall einer Verletzung? Es gibt sechs Wochen Lohnfortzahlung, dann fällt man in ein Loch. Viele Spieler sehen nur das, was sie auf dem Konto haben. Dann kaufen sie sich noch eine Uhr oder ein Auto. In meiner Karriere habe ich viele Spieler gesehen, die gut verdienten und am Ende trotzdem leer ausgingen. Bei TIMESCORE sind wir deswegen dabei, Zeitwertkonten aufzubauen: Der Spieler kann in der Zeit, in der er sehr gut verdient, Geld aus dem Bruttogehalt zurücklegen. Es wird dann später normal versteuert und sozialversichert. So kann man eine Übergangszeit absichern. Dann muss man vielleicht nicht sofort eine Immobilie verkaufen, wenn man später Geld braucht.
Als Außenstehender denkt man oft: Ein Profifußballer verdient so viel Geld, das reicht doch auch für danach.
Das sind vielleicht fünf bis zehn Prozent der Spieler, die genug zurücklegen können. Aber es gibt so viele andere: Spieler aus kleineren Mannschaften, Zweite Liga, Dritte Liga, natürlich den Frauenfußball. Wir stellen den Vereinen deshalb nach und nach unser Konzept vor.
Die Leistungsanalysen im Fußball sind immer stärker datengetrieben. Wo sehen Sie die größten Chancen?
Zum Glück gab es das zu meiner Zeit nicht. Natürlich kann man heute mit den Daten vieles besser darstellen. Hat jemand im Training einen zu hohen Puls, heißt es vielleicht: Da bahnt sich eine Krankheit an, geh mal lieber raus. Das ist auch nicht grundsätzlich verkehrt. Aber wenn jede Bewegung und jeder Laufweg aufgezeichnet und überwacht werden, fehlt mir die Initiative des Trainerteams.